Wenn die Festplatte Schleif- oder Kratz-Geräusche produziert

Bei plötzlich auftretenden Geräuschen, wie kratzen oder schleifen, ist die Datenkonsistenz der Festplatte in den meisten Fällen unmittelbar bedroht. Diese Art von Fehlerbildern sind sehr ernst zu nehmen, da sie einen eindeutigen Hinweis auf eine direkte Berührung der Schreib-/Leseköpfe mit den rotierenden Magnetscheiben im Gehäuseinneren der Festplatte schließen lassen.

Herkömmliche Festplatten funktionieren immer kontaktfrei. Die Schreib-/ Leseköpfe (das sogenannte Headkit) schweben hierbei auf einem, durch die Umdrehungsgeschwindigkeit der Scheiben, generierten Luftkissen, dem sogenannten "Air Bearing". Mit einem Abstand von nur wenigen Nanometern zu den rotierenden Scheiben, werden ferromagnetische Signale gesendet oder empfangen.

Geraten nun die auf dem Luftkissen schwebenden Köpfe mit den Magnetscheiben der Festplatte in Berührung, so entsteht Reibung und es werden hierdurch kleinste Partikel aus der Oberflächenbeschichtung der Magnetscheiben gelöst. Diese Partikel geraten dann, früher oder später, erneut zwischen die Köpfe und rufen hierdurch weitere Beschädigungen hervor. Vergleichbar ist dies mit einem Domino-Effekt, welcher irgendwann dazu führt, dass schleifende oder kratzende Geräusche an Festplatten entstehen.

Faktoren und Ursachen für Schleif- oder Kratzgeräusche an Festplatten ?

Zwei Ursachen-Szenarien treten hierbei besonders häufig auf:

1. Headcrash der Festplatte durch Erschütterung

Meistens ist eine Erschütterung oder ein Fallschaden maßgelich dafür, dass Festplatten plötzlich nur noch schleifende oder kratzende Geräusche von sich geben. Hierbei gibt es unterschiedliche Szenarien, die von abgebrochenen und verbogenen Headkits, bis hin zu gebrochenen Kunststoff-Arretierungen im Innern der Hard Disk reichen. Was für den Laien wenig dramatisch klingen mag, sieht unter dem Mikroskop betrachtet fatal und schwerwiegend beschädigt aus. Magnetscheiben sind empfindlich und häufig reicht allein ein Fingerabdruck aus um Beschädiungen zu generieren, gleiches gilt in unserem Beispiel natürlich auf für Kunstoffteile die sich durch den Aufprall gelöst haben und lose in der Hard Disk herumfliegen. Durch ein erneutes Anschalten dieser mit diesem Fehlerbild konfrontierten Platten, entsteht natürlich dann Reibung, denn die Magnetscheiben fangen an zu drehen, während die Leseeinheit über die Scheiben schleift. Und durch Reibung entsteht zudem auch noch Hitze, die dazu führen kann, dass das Lubrikant ( ein hauchdünner Schutzfilm ) erhitzt und die ohnehin beschädigten Köpfe verklebt.

2. Verschleiß bzw. Ausfall der Festplatten-Mechanik

Keine Mechanik dieser Welt hält ewig und somit sehen sich auch Festplatten, im Zuge ihrer Betriebsdauer, zunehmenden Verschleiß und somit steigenden Ausfallrisiken ausgesetzt.

Schleifende oder kratzende Geräusche bringen immer eine große Anzahl an schwerwiegenden Schäden und somit auch an defekten Sektoren mit sich. Je höher die Kapazität und somit die Datendichte / Scheibe einer Festplatte ist, je herausfordernder wird die Rettungsaufgabe im Reinraum für eine professionelles Labor. Wirden Festplatten mit dieser Art von Fehlerbild im Reinraum geöffnet, so "visualisieren" sich die Schleif- und Kratzgeräusch in Form einer kreisrunden Riefe auf der Magnetscheibe. Sektoren, die sich innerhalb dieser Riefe befanden, lassen sich nicht mehr retten und sind unwiederbringlich verloren, da die Oberflächenbeschaffenheit an diesen Stellen derart verändert ist, dass die Daten schlichtweg nicht mehr lesbar oder interpretierbar sind.

Nicht immer jedoch muss das Schleifgeräusch einer defekten Festplatte jedoch auch zwangläufig mit Beschädigungen an den Magnetscheiben einhergehen. So gibt es natürlich auch Situationen, die Köpfe am Rand der Scheiben liegen, bzw. entlang scheuern, da sie sich nicht mehr richtig positionieren können.